Arme Private Krankenversicherer! Sie wenden sich an den Staat. Nein, nicht wegen zu großer Eingriffe - im Gegenteil!
Das Geschäftsmodell der PKV bröselt. Massive Beitragserhöhungen und vor allem solche Erhöhungen im Alter sind an der Tagesordnung. Grund: Ein langfristig unsauberes Geschäftsmodell. Nun brauchen die Versicherungen am dringendsten eines: Frische Zufuhr an jungen, gesunden Beitragszahlern. Die Konkurrenz hat sich mittlerweile so verstärkt, dass kaum noch Mittel gescheut werden.
Für jemanden, der wie ich schon lange über die Provisions-, Bonus- und variable Gehaltsgläubigkeit nur noch den Kopf schütteln kann, bekommt das Ganze jetzt etwas Lachhaftes.
Auf was setzen die Versicherer beim Kampf um neue Kunden: Auf immer höhere Provisionen für den Vertrieb. Genau wegen dieses Wettbewerbs um die höchste Provision rufen sie jetzt selbst die BaFin zu Hilfe - auf dass sie begrenze, was sie selbst gerade auf die Spitze treiben!
Wieder einmal weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Das Lachen lässt sich kaum unterdrücken. Aber das Weinen wird kommen. Weil es so sicher ist wie das Amen in der Kirche, dass Unternehmen wie Lehre auch künftig noch Stein und Bein schwören werden, dass eine “erfolgsorientierte” Bezahlung der Schlüssel zu Leistung und Effizienz ist …
Schön, wenn Wirtschafts- und Politikredakteure Patriotismus zeigen und sich hinter ihre Kanzlerin stellen. Die kriegt ja gerade auch so schon genug ab. Man sollte aber eben auch mal schauen, ob das, was sie so hartnäckig verteidigt, überhaupt Hand und Fuß hat.
Der Streit zwischen den USA und Deutschland über die Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen erlaubt einen einfachen Vergleich: Gestritten wird darüber, ob das Gleichgewicht eines Pendels besser gewahrt ist, wenn man rechts oder eher links zieht.
Tatsächlich sind beide Standpunkte aus globaler und mittel- bis langfristig auch aus jeweils nationaler Sicht Kamikaze.
Die USA heizen weiter die Flutung der Welt mit Geld an, was nur zu mehr Ungleichgewicht führen kann, wenn sich die Verteilung dieses Geld nicht verändert. Immer mehr Kapital schadet mehr, als es nützt, wenn nicht genug Nachfrage da ist. Nachfrage, die eben nicht über immer mehr Schulden finanziert wird. Zudem betreiben sie genau das, was sie Staaten wie China vorwerfen: Sie versuchen, den Dollarkurs so zu beeinflussen, um amerikanische Waren im Auslang wettbewerbsfähiger zu machen. Die losgetretene Abwärtsspirale nützt auf Dauer niemandem.
Deutschland dagegen mag Recht damit haben, dass seine Waren schlicht gefragt sind. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die letzte Dekade war geprägt von stagnierenden bis sinkenden Löhnen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Exports zu steigern. In den Feinheiten mögen die Mittel andere gewesen sein - im Prinzip nicht. Deutschland täte auch gut daran, sein extrem exportlastiges Geschäftsmodell einmal daraufhin zu überdenken, wer in Zukunft das alles noch kaufen kann. Die Rechnung ist so einfach wie wahr: Dauerhaft brechen einseitige Ungleichgewichte der Handelsbilanz der Wirtschaft das Genick. Dabei ist es grundsätzlich egal, auf welcher Seite man steht. Denn diejenigen, die dauerhaft im Plus leben, tun dies auf Kosten derer, die im Defizit leben. Und sie sind auf sie angewiesen. Hier wiederum hat Obama Recht.
So einfach, wie die Rezepte gegenseitig vorgeschlagen werden, sind sie eben nicht. Die USA müssen auf einen allgemeinen Verschuldungsgrad zurück kommen, der wieder ein gesundes Wachstum ermöglicht. Das kann schlicht nicht so hoch sein, wie das während eines Kreditrausches. Dafür ist es nachhaltig. Darüber hinaus ist ihre Importlastigkeit auf ihre eigene Philosophie zurück zu führen. Sie haben ihren “Way of life” so konsequent durchgezogen, dass sie innerhalb weniger Jahre vom starken Exporteur zum hoffnungslosen Importeur mutiert sind. Es ist insofern nicht falsch zu sagen, sie müssen ihre (insbesondere industrielle) Wettbewerbsfähigkeit steigern. Das hat nur am Rande etwas mit Arbeitskosten, sondern sehr viel mehr mit Know-how und Arbeitsbedingungen zu tun.
Deutschland dagegen muss endlich einen Plan B erarbeiten. Noch treibt der Export an, aber das wird sich ändern. Viele der Importländer bluten immer mehr aus. Dies gilt bspw. für die europäischen Nachbarn sowie die USA. Andere, aufstrebende, wie China, haben eine ähnlich exportorientierte Ausrichtung wie Deutschland. Die Probleme der Importländer erreichen uns also lediglich auf einem kleinen Umweg. Dazu kommt, dass China den Status des Billiglohnlandes längst verlassen hat. Die Reichen mögen auf Audis und BMWs abfahren - für die Mehrheit der Chinesen haben wir kein Angebot. Ebenso wie für die Mehrheit der Inder. Wir sollten uns auch keinen Augenblick länger der naiven Vorstellung hingeben, China würde unseren technologischen Vorsprung - wie bspw. im Maschinen- und Anlagenbau - noch lange nicht aufholen können. Die Vergangenheit und die rasende Entwicklung in solchen Ländern sollten uns mittlerweile eines Besseren belehrt haben.
Für Deutschland gibt es nur einen Weg: Die breite Stärkung des Binnenmarktes. Noch sind wir in der Lage, hier einen sanften Weg zu gehen. Vergessen wir künstliche Obergrenzen für Exportüberschüsse oder ähnlichen Unsinn. Verabschieden wir uns aber auch von dem Gedanken, wir könnten den ewigen Exportboom konservieren. Steigende Löhne, eine Umkehr der realen Einkommens- und Vermögensumverteilung von unten nach oben, Abkehr von immer mehr prekären Arbeitsverhältnissen - das sind die Hausaufgaben, die wir zu machen haben. Was nach Sozialromantik klingen mag, ist harte ökonomische Berechnung. Nur eben langfristiger betrachtet.
Letztlich entspricht es auch exakt der Argumentation, die sowohl Schäuble, als auch Merkel vorbringen: Die Deutschen Waren sind nicht wegen günstiger Preise, sondern wegen ihrer Qualität geschätzt! Dann dürfte es ihnen kaum etwas ausmachen, wenn sie aufgrund höherer Einkommen ein paar Zehntel Prozent teurer werden. Sollte dies abgelehnt werden, stellt sich die Frage, ob es eine so wahnsinnig ehrliche Argumentation ist, die die Bundesregierung vorbringt.
Und so manchem Wirtschafts- und Politikredakteur kann nur angeraten werden, sich nicht so stark durch kurzfristig-wirtschaftspatriotische, aber eben auch falsche Argumentation irreführen zu lassen. Mittel- bis langfristig führt das nur dazu, dass wir erst merken, dass wir keinen Plan B haben, wenn es wirklich zu spät ist.
Langsam weiß ich nicht mehr, ob ich laut lachen oder verzweifelt den Kopf schütteln soll.
Allenthalben werden “ungesunde” Auswüchse von Bonus- und variablen Gehaltsmodellen angeprangert. Ob bei Bankern, die viel damit verdienen können, der Allgemeinheit und ggf. auch ihrem eigenen Arbeitgeber zu schaden, schon seit einiger Zeit den Finanzmaklern oder nun bei der Kundengewinnungspraxis der privaten Krankenversicherungen - überall wird festgestellt, dass Schaden entstehen könnte.
Hallo?! In einer Zeit, in der Reinhard Sprenger’s “Mythos Motivation” so ungefähr seinen 25. Erscheinungstag feiert, sollte es zum Allgemeingut gehören, dass monetäre Anreizsysteme weit mehr schaden als nützen. Sie schaden der Motiavtion, der erstellten Leistung, den Kunden, der Allgemeinheit und sogar den Unternehmen selbst. Sie wirken nur kurzfristig, das auch noch selten im Sinne des Erfinders und schaden dauerhaft. x-fach belegt und immer wieder nachvollziehbar. Bei allen Auswüchsen, die im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise ans Licht gekommen sind, sollte langsam wirklich jedem klar sein, dass sie eine miese Idee sind.
Trotzdem sind sie heute weiter verbreitet denn je zuvor. Das “aussagekräftigste” Argument für solche Systeme kam dann bezeichnenderweise auch von einem Konstanzer Finanzprofessor anlässlich einer Podiumsdiskussion: Er sei sich darüber im Klaren, dass er das nicht belegen könne - aber man wisse ja, dass sie funktionieren.
Das nenne ich mal Argumente! Da fällt dem kritischen Betrachter auch angesichts der Flut von Nachweisen, wie schädlich diese Systeme wirken, nichts mehr ein …
Es geht nicht - wie von Frau Aigner kritisiert - um die Höhe solcher Boni. Es geht nicht - wie in der Finanzkrise imemr wieder angemerkt - um die Ausgestaltung. Die treffendste Aussage zum Thema stammt von einer der unumstrittensten Wirtschaftskoryphäen, Henry Mintzberg: “The problem is not, that they are poorly designed. The probelm is, that they exist.” Das Problem ist nicht, dass sie schlecht ausgestaltet sind - das Problem ist, dass sie existieren.
Wie kann ein Kunde heute noch einem Unternehmen trauen, das zwar öffentlichkeitswirksam das Wohl des Kunden in den Mittelpunkt stellt, seine Verkäufer aber nach einem sehr einfachen Grundsatz bezahlt: “Verkauf´ so viel wie möglich!” Denken Sie mal dran, wenn sie das nächste mal im Elektronikmarkt sind: Empfiehlt der Verkäufer gerade das Gerät (vielleicht nicht einmal das teuerste), weil es zu Ihnen passt? Oder vielleicht doch eher, weil es gerade eine interne Sonderaktion gibt, die eben für dieses Gerät eine Sonderprovision verspricht? Oder in der Boutique Ihres Vertrauens: Würden Sie Ihnen als Verkäuferin sagen, dass das teure Kleid wie ein Sack hängt und dafür auf die Provision verzichten? Neulich unterhielt ich mich mit einem Finanzmakler einer führenden Vermögensberatung. Er entkräftete mein Argument für Honorarvermittlung nicht etwa mit den Kosten für den Kunden (die sie viel höher indirekt sowieso tragen) - sondern damit, dass man dann ja als “Berater” viel weniger verdienen würde!
Nein, liebe Verkäufer, ich möchte alles andere als Euch dafür an den Pranger stellen (naja, von Ausnahmen wie dem Vermögens”berater” abgesehen …). Ich kenne die Situation, sich zwischen der besten Beratung für den Kunden und den Provisionszielen - und damit seinem Einkommen - entscheiden zu müssen.
Aber langsam neige ich doch zu einem gewissen Zorn, wenn ich immer wieder mitbekomme, wie hartnäckig das Provisions- und Bonusübel immer wieder selbst von denen verteidigt wird, die es wirklich besser wissen sollten - und die sich dann noch ernsthaft über die völlig logischen Konsequenzen daraus aufregen.
Ein eher kurzer Beitrag, ein Leserbrief: Die Lago-Parkhauserweiterung wurde durch die Stimme von OB Frank beschlossen. Richtig so, sagt der Leserbrief! Denn was soll schon das ganze Gerede um verstopfte Straßen, Park & Ride, Umwelt, Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel … wenn der Kunde doch lieber mit dem Auto fährt. Und wenn man ihn nicht lässt: Arme Wirtschaft! Absturz, Untergang, das Ende von Konstanz.
Im Kleinen passiert hier, was auch im Großen Mode ist: Die Wirtschaft hat den ultimativen Knopf gefunden. Einfach drücken und jeder Wunsch wird erfüllt. Der Knopf funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie diese Puppen, auf die man drücken kann und dann kommt einer von mehreren platten Sprüchen. in diesem Fall Dinge wie “Wettbewerbsfähigkeit”, “Verlagerung” oder “Arbeitsplätze”. Immer öfter reicht auch schon “Wirtschaft” an sich.
Ja, die Wirtschaft ist zum Meta-Thema geworden. Längst wird nicht mehr gefragt, ob sie ihren eigentlichen Zweck noch erfüllt. Was der mal war? Gute Frage, denn lang ist es her, dass er noch im Vordergrund stand: Die Deckung von Nachfrage, von Bedarf. Die ist zwischenzeitlich bestenfalls zweitrangig geworden. Echter Bedarf wird zunehmend als Störfaktor angesehen, der die Wirtschaft daran hindert, das zu tun, mit dem sie am meisten Rendite erzielt.
Wir haben z. B. einen enormen Bedarf an umweltfreundlicher Energie. An umweltfreundlichen Produkten überhaupt. Mag sein, dass es noch kleine Diskussionen gibt, ob und wie stark wir nun selbst am Klimawandel schuld sind. Das lenkt aber davon ab, dass viele Themen unumstritten sind. Wir zerstören die Welt. Wir tun es durch Ausbeutung von Ressourcen, durch Artenvernichtung, wahrscheinlich durch Klimaveränderung, durch Vermüllung, durch die Produktion von hoch-radioaktivem Müll, der noch in Tausenden von Jahren in der Lage ist, ganze Gegenden zu verseuchen - wenn wir möglicherweise längst vergessen haben, in welchem Salzstock wir ihn verbuddelt haben.
Alles das passiert nicht etwa im Namen der weltweiten Verbesserung der Lebensumstände. Es geschieht im Namen der Wettbewerbsfähigkeit, der Renditemaximierung. Beides wird kurzerhand zur Grundlage allgemeinen Wohlstands erklärt und schon sind alle Nachfragen obsolet. Also wird Bedarf der Menschheit plötzlich zu Kosten für die Wirtschaft - und damit zu etwas Bösem, zu Vermeidendem. All das geschieht im Namen einer Marktwirtschaft, die diesen Namen längst nicht mehr verdient. Denn die wesentlichen Voraussetzungen dafür sind lange in Vergessenheit geraten. Aus einem System, das zu einem Gleichgeweicht führen sollte, das allen nützt, ist eines geworden, dass sich auf die bestmögliche Schaffung von Ungleichgewicht zum persönlichen, kurzfristigen Nutzen auf Kosten der anderen stützt. Wer das am besten schafft, gewinnt. Wer nicht - naja, wo gehobelt wird … .
Dieses Prinzip nennt sich dann “Leistungsorientierung” und rechtfertigt auch noch so hohe Gehälter und Boni für Menschen, die das Schaffen von Ungleichgewichten zu eigenen und zu Gunsten einiger weniger Kunden zur Perfektion gebracht haben - gelegentliche, durch die weniger versierte Allgemeinheit über Steuern finanzierte Einbrüche inbegriffen. Wann immer eine Bedrohung der Marktwirtschaft angemahnt wird, geht es in der Regel exakt um das Gegenteil: Um den Erhalt von Marktversagen zum eigenen Nutzen.
Wir Verbraucher müssen dabei meist - wie im Fall der Parkhauserweiterung - als Buhmann herhalten: Wir wollen es ja so, heißt es. Also sind es gar nicht die Firmen, sondern wir. Denn wir sind es doch, die bequem mit dem Auto in die Stadt fahren wollen. Wir sind es doch, die billigen Strom wollen, der nur durch Atomkraft erzeugt werden kann. Wir sind es doch, die all diese Lebensmittel billig haben wollen - was nun mal nur durch Massentierhaltung und Überfischung zu erreichen ist. Oder?
Diese Argumentation kommt immer gut an. Es finden sich immer genügend Menschen, die daran glauben. Aber sie hinkt hinten und vorne. Denn sie wird dazu genutzt, Alternativen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Erneuerbare Energien könnten vermutlich längst wettbewerbsfähig sein, wenn sie von dem Zeitpunkt an konsequent gefördert worden wären, zu dem klar war, dass wir sie brauchen. Dazu kommt, dass konservative Energien hartnäckig schön gerechnet werden, indem bspw. die durch sie verursachten Schäden gar nicht berücksichtigt werden. Es wird uns sogar untergejubelt, dass die Stunts der Finanzindustrie wichtig und gut für den Wohlstand sind - nur damit alle weitermachen können wie bisher.
Und wir in Konstanz werden wir wohl nie erfahren, ob ein attraktives Park & Ride System nicht gerade dazu geführt hätte, dass mehr Menschen zum Einkaufen kommen.
Klar, reflexartig setzt die Empörung ein, wenn herauskommt, dass Banker von Banken, die Staatsgelder erhalten, hohe Gehälter kassieren. Alle regen sich darüber auf, dass Boni gezahlt werden, solange ein Unternehmen - speziell eine Bank - Verluste einfährt. Das lenkt aber vom eigentlichen Problem ab: Entstanden ist die Krise, als die Banken Unsinnssummen verdient haben - nicht zuletzt wegen der exorbitanten Gehälter und Boni! Also zu einer Zeit, zu der diese Gehälter und Boni nach der heute herrschenden Diskussion völlig in Ordnung gewesen wären.
Eine scheinbar andere Baustelle:
Hartz IV-Bezieher werden faktisch schlechter gestellt. Zwar erhalten sie 5 EUR mehr, bekommen dafür andere Dinge gestrichen. Dinge, die ihnen eine Zukunft ermöglichen würden. Begründet wird das nicht zuletzt damit, dass es ja ein Lohnabstandsgebot gebe. Und da von den Löhnen der unteren Einkommensschichten - zunehmend in prekären Arbeitsverhältnissen - schon nicht mehr ernsthaft ein Lebensunterhalt bestritten werden kann, darf das von Hartz IV erst recht nicht gehen.
Argumentiert wird auch mit dem Leistungsprinzip. Wer leiste, müsse eben mehr Geld bekommen. Hier stellt sich die Frage: Was genau haben die Banker eigentlich geleistet, als sie die Welt in den Ruin stürzten und dafür exorbitante Vergütungen bekamen? Ein über alle Maßen aufgeblähter Finanzsektor, der täglich annähernd so viel umsetzt, wie die Realwirtschaft der Welt in einem Jahr, lässt sich kaum noch mit seiner wichtigen Funktion für eben diese Realwirtschaft rechtfertigen. Mit dieser Unterstützungsfunktion befasst sich nur noch ein kleiner Teil der Banker - und das sind nicht die wirklich hochbezahlten. Die meisten und bestbezahlten Banker befassen sich mit der Frage, wie Geld von der Allgemeinheit zu Wenigen umgelenkt werden kann. Sie entwickeln ausgetüftelte Systeme mit einem Ziel: Egal, wer sonst noch so gewinnt oder verliert - sie gewinnen immer.
Das sogenannte Leistungsprinzip steht weitgehend Kopf: Leistung wird über das Einkommen festgelegt und Einkommen soll sich nach Leistung richten. Die Argumentation dreht sich im Kreis. Wer nicht arbeitet, leistet nicht und soll darüber motiviert werden, dass er seinen Lebensunterhalt dann - oft nur beinahe - selbst bestreiten kann. Ok, keiner weiß, wo auch nur für einen Bruchteil der Hartz IV-Empfänger die Beschäftigung kommen soll. Aber mit solchen Feinheiten will man sich nicht beschäftigen.
Andererseits werden lächerlich hohe Gehälter in Bereichen als völlig ok angesehen, die ganz offensichtlich stärker auf Kosten der Allgemeinheit leben, als dies selbst ein halbes Volk voller Hartz IV-Empfänger könnte.
Dabei wird der erschreckend dumme Trugschluss bis zum Exzess durchgezogen, dass es ja diese “Leistungsträger” seien, die die Wirtschaft am Laufen halten. Wirtschaft wird in letzter Konsequenz über Konsum am Laufen gehalten. Ohne Konsum keine Investitionsgüter (in denen wir - noch - so stark sind). Ohne ausreichend hohen Konsum keine Investitionen - und sei der Zins noch so niedrig. Wenn, dann höchstens Rationalisierungsinvestitionen, die die Abwärtsspirale noch verstärken.
Und was machen wir? Immer schön kräftig dort sparen, wo zu praktisch 100% konsumiert wird und dort schenken, wo beinahe jeder zusätzliche Euro angelegt wird. Und weil eine Anlage in die Realwirtschaft, die vielleicht sogar noch der Schaffung von Arbeitsplätzen dient, kaum noch lohnt, weil zu wenig konsumiert wird, wird eben zu Lasten der Allgemeinheit gezockt.
Dummheit hat viele Gesichter. Die schlimmste Form von Dummheit aber ist diejenige, die glaubt, so oberschlau zu sein, dass sie grundlegende Gesetze - wie das des Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage in der Marktwirtschaft - dauerhaft aushebeln kann, ohne massive Schäden zu verursachen.
Es ist der neueste Coup der Gewinner des Marktradikalismus: Um die Verlierer davon abzulenken, dass sie’s sind, werden sie kurzerhand gegeneinander ausgespielt - vielleicht merkt’s ja keiner.
Es geht um die Neuberechnung/ Anpassung/ ggf. Erhöhung der Hartz IV-Sätze. Das sei nicht so leicht, heißt es heute in einem Artikel des SK. Denn da ist ja noch das Lohnabstandsgebot: Wer arbeitet soll mehr bekommen, um falsche Anreize zu vermeiden. Auf eine große Erhöhung sollte also niemand wetten.
Verkauft wird das Ganze dann als Entgegenkommen gegenüber den Leistungswilligen. Denen, die arbeiten, um ihr Leben zu finanzieren, anstatt sich faul in der sozialen Hängematte herumzudrücken. Oft funktioniert dieses beschämende Spiel sogar.
Vielleicht ist das Ganze aber doch eine nähere Betrachtung wert.
Da ist zum einen die Funktion von Hartz IV, die das Bundesverfassungsgericht als nicht vollständig erfüllt ansieht: Die Sicherung des Existenzminimums. Es geht nicht um ein schwelgendes Leben, wie es hinkende Rechnungen, wie komfortabel das Leben als Hartz IV-Empfänger doch sei, weismachen wollen. Es geht ums Überleben. Nicht weniger - aber eben auch nicht mehr.
Da ist zum anderen die Diskrepanz von über 3 Millionen Arbeitslosen - so die offizielle Zahl, die viele tatsächliche Fälle gar nicht erfasst - und der Aussage, es gäbe ein Problem mit Menschen, die nicht arbeiten wollen. Ganz ehrlich: Wenn eh so viele Menschen nicht arbeiten können, dann lieber diejenigen, die auch nicht wollen, als diejenigen, die sehr gerne wollten, aber nicht dürfen. Das Argument des Ausnutzens der sozialen Hängematte ist schlicht so lange illegitim, bis es die Gesellschaft geschafft hat, alle in Arbeit zu bringen, die es auch wollen. Hier von fehlenden Anreizen zum Arbeiten zu reden ist schlicht zynisch.
Dann sollte auch die kleine Tatsache nicht verschwiegen werden, dass viele der “Leistungsträger” einfach nicht so bezahlt werden, dass sie davon leben können. Derzeit gibt es - nicht zuletzt deswegen - wesentlich mehr Hartz IV-Empfänger als Arbeitslose. Während Unternehmensgewinne und Top-Gehälter seit Jahren steigen, sinken seit ebenso vielen Jahren die Löhne gerade in den unteren und mittleren Einkommensbereichen. Auch ich bin der Ansicht, dass Arbeit mehr Geld abwerfen sollte als Nicht-Arbeit. Allerdings werden hier aus populistischen Gründen die Tatsachen gerne verdreht. Das Lohnabstandsgebot sollte dadurch eingehalten werden, dass Arbeit zu fairem Einkommen führt. Die momentane Diskussion ist einer Gesellschaft, in der es immer mehr Reiche gibt - die immer reicher werden - unwürdig: Vergütungen, die gerade so oder nicht einmal das Existenzminimum sichern, sollen dadurch legitimiert werden, dass die Leistungen für - fast immer unfreiwillige - Nicht-Arbeit noch nicht einmal eben dieses Existenzminimum abdecken.
Die Ärmsten mit Arbeit werden in dieser Diskussion gegen die Ärmsten ohne Arbeit ausgespielt, um den selbsternannten Top-Leistungsträgern steigende Einkommen und Vermögen zu gewährleisten. Diese Tatsache allein wäre schon ein Fremdschämen wert. Aber es kommt noch dicker: Diese Diskussion ist auch von ausgeprägter ökonomischer Dummheit geprägt.
Viele Top-Ökonomen, wie bspw. der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, machen für die Weltwirtschaftskrise zwei wesentliche Faktoren aus: Ungleiche Einkommensverteilung und wachsende Ungleichgewichte im Welthandel. Beides führt im Grunde zur gleichen fatalen Folge: Diejenigen, die konsumieren - und damit die Weltwirtschaft in Gang halten würden - haben dafür immer weniger Geld zur Verfügung. Diejenigen dagegen, die Geld rentabel anlegen wollen, haben immer mehr davon. Ergebnis: Dauerhafte Überkapazitäten, Wirtschaftswachstum nur auf immer mehr Pump und Spekulationsblasen, weil das Geld ja irgendwo hin muss.
Diskussionen wie diese führen dazu, dass sich diese Probleme immer weiter verstärken. Allen, die dabei noch an eine staatliche Umverteilung von oben nach unten glauben, sei einmal ein unvoreingenommener Blick auf die Realität der letzten Jahre oder gar Jahrzehnte empfohlen: Wäre auch nur annähernd so viel Geld in Richtung der Ärmsten geflossen, wie für die Folgen der angeblich selbstregulierenden Marktmechanismen, hätten wir einige Probleme weniger.
Tolle Idee, die die Wirtschaftsjunioren da in die Welt setzen: Urlaub ist bitteschön nicht zur Erholung zu verwenden, sondern dazu, “die eigene Attraktivität für die Firma zu steigern”.
Nun, sicher ist es zu begrüßen, wenn Menschen einen Teil ihrer freien Zeit investieren, um in einem immer dynamischeren Arbeitsmarkt am Ball zu bleiben oder die eigenen Chancen zu verbessern. Für den einen oder anderen - wie mich - schließt sich bis zu einem gewissen Grad Erholung und Weiterbildung auch nicht unbedingt aus.
Die Botschaft allerdings ist hochgradig bedenklich: Nicht die Firma ist also dafür verantwortlich, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren, um die eigene Wettbewerbsposition zu stärken. Nein, die Mitarbeiter tragen diese Verantwortung und für die Firmen ist es völlig legitim, sich bequem zurück zu lehnen und sich aus dem großen Garten des Arbeitskräfteangebots immer das herauszusuchen, was gerade am besten passt.
Das ist aus vielerlei Hinsicht Humbug. Zum einen zeigt es wieder, dass die Wirtschaft selbst oft nicht weiß, was gut und wichtig für sie ist. Offenbar hat sie immer noch nicht gelernt, dass es ihr ureigenes Interesse ist, bestmöglich qualifizierte Mitarbeiter zu haben - und eben auch an dieser Stelle zu investieren. Wie leicht ist es, den Mangel an qualifizierten Fachkräften zu bejammern, die öffentliche Hand schlechter Bildungskonzepte und die Mitarbeiter der Bequemlichkeit zu bezichtigen, während man selbst die (zunächst einmal renditeschmälernden) Investitionen in die laufende Weiterqualifizierung scheut. Ob es den Unternehmen im härter werdenden Wettbewerb etwas nützt, darf bezweifelt werden. Es wird ihnen schaden.
Gerne wird pauschal Arbeitslosen oder Hartz-IV-Empfängern ein Ausruhen in der Hängematte des Sozialstaates vorgeworfen. So daneben diese Unterstellung ist, umso mehr muss man sich fragen, ob es nicht vielmehr Teile der Wirtschaft sind, denen eine ähnliche Bequemlichkeit unterstellt werden muss. “Lieber Staat, liefere uns ausreichend qualifizierte Menschen, die wir sofort und ohne zusätzliche Kosten produktiv und hoch-rentabel einsetzen können - das ist deine Verantwortung. Und liebe Arbeitnehmer, opfert jetzt auch noch eure Freizeit, um uns bessere Mitarbeiter sein zu können, weil wir sonst keine 25% Eigenkapitalrendite erreichen können und deswegen nicht mehr wettbewerbsfähig sind und am Ende Jobs abbauen oder verlegen müssen.”
“Verantwortung” wird aus Unternehmenssicht immer mehr auf die (sehr kurzfristig betrachtete!!) Verantwortung gegenüber Kapitalgebern reduziert, die eine Rendite unter 10% schon beinahe als Raub ansehen.
Nur nebenbei sei erwähnt, dass eine signifikante Zunahme stressbedingter Krankheiten - gerade unter Arbeitnehmern - zu verzeichnen ist. Physisch wie psychisch. Der Zweck von Urlaub ist gesetzlich benannt: Erholung. Und die Zahlen zeigen, dass diese in einer Arbeitnehmerwelt, die von zunehmender Arbeitsbelastung, Druck und Job-Unsicherheit gekennzeichnet ist, notwendiger ist denn je. Dass alleine die taff wirkende, aber groteske und enthüllende Gleichsetzung von Erholung mit “Ballermann” für sich und gegen ein tieferes Nachdenken der Wirtschaftsjunioren-Vorsitzenden spricht, ist eine Sache. Hinkende und polarisierende Vergleiche aus diesen Ecken ist man ja gewöhnt. Aber andererseits: Wenn es der individuellen Art der Erholung entspricht, warum nicht?
Es ist einfach immer wieder festzustellen: Die Wirtschaft verwechselt weiterhin gerne kurzfristige eigene Bequemlichkeit und Vorzüge mit einer nachhaltigen Verbesserung ihrer Position. Sie rennt Vergünstigungen hinterher, schiebt Verantwortung für das eigene Wohl ab und sägt damit fleißig an dem Ast, auf dem sie sitzt. Und je mehr er schwankt, desto fleißiger wird gesägt.
Bei einem solchen Nachwuchs ist wohl auch nicht zu erwarten, dass sich daran viel ändert …
Zahlen sind doch was Schönes. Nur auf 0,34 Prozent der ICE-Fahrten sind die Klimaanlagen ausgefallen. Worüber regen wir uns eigentlich auf?
Herzlich Willkommen in der Welt der Betriebswirtschaft, die sich lieber mit Zahlen, als der echten Welt beschäftigt. Und nur als Hinweis an alle, die wie ich den Fehler machen, die echte Welt für wichtiger zu halten: Falsch. Es liegt nur daran, dass die drastischen Bilder unsere Objektivität einschränken. Nur Zahlen sind wirklich objektiv.
So ist die Wahrscheinlichkeit für einen Ölunfall der BP-Kategorie so unwahrscheinlich, dass nur ein naiver Laie auf die Idee kommen könnte, für so etwas bräuchte es einen besseren Notfallplan. Oder wer hat noch Angst vor immer mehr Atomkraftwerken? Haben Sie schonmal nachgerechnet, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, dass da was Gravierendes passiert?
Irgendwie scheint es mir aber trotzdem so, als sei langsam die Grenze des Zahlendenkens erreicht. Was passieren kann - egal mit welcher Wahrscheinlichkeit - wird eben vielleicht tatsächlich passieren. Und mehr noch: Wenn es genügend Dinge gibt, die mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit passieren können, ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass andauernd irgendetwas davon passiert!
Auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Wirtschaftskrise des gesehenen Ausmaßes bekommen, war gering. Naja, die Zahlen sagen ja, dass alles gar nicht so schlimm war und auch eigentlich wieder vorbei ist. Ob uns das tröstet, wenn wir demnächst höhere Krankenkassenbeiträge zahlen, die Ärmsten noch weniger wissen, wie sie über die Runden kommen sollen und dringende öffentliche Aufgaben liegen bleiben - das sei mal dahingestellt. Und auch über die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht lange bis zur nächsten Krise dauert, weil wir nichts - aber auch gar nichts - gelernt haben, sollten wir uns keinen Illusionen hingeben.
Erstaunlich ist immer wieder, dass der Glaube an geringe Wahrscheinlichkeiten zwar Kunden und Bürger trösten soll, er aber in Politik und Management offensichtlich nicht sonderlich ausgeprägt ist. Firmen wie die Bahn lassen es sich bspw. Millionen kosten, sich über High-Tech-Werkzeuge gegen Datenverluste zu schützen - deren Wahrscheinlichkeit ein Vielfaches unterhalb der genannten 0,34 Prozent liegt. Manager sorgen mit Versicherungen gegen den Fall vor, dass sie - an sich Superhelden per Stellenbeschreibung - etwas verbocken und jemand mit Schadenersatzforderungen ihr sorgsam angehäuftes Vermögen schmälern möchte. Und auch für den seltenen Fall, dass Bundespräsidenten kurz nach ihrer Wiederwahl die Lust an ihrem Job verlieren, gibt es eine schöne Vorsorge: Er bekommt einfach weiter sein Geld, ohne dieses lästige Herumgehänge in Schloss Bellevue.
Vielleicht sollte man Herrn Grube einfach mal ohne Klimaanlage von Müchen nach Hamburg fahren lassen. Oder Tony Hayward den Rest seines Berufslebens als Fischer im Golf von Mexiko fristen. Oder Politiker, die sich für die Weiterführung der Atomkraft einsetzen, zu einer Dienstwohnung in Nachbarschaft einer Endlagerstätte verpflichten. Das würde vielleicht so manche Zahl relativieren.
Oder als Anfang einfach nur die ganzen Manager, die im Namen der Zahlen Kunden und die Allgemeinheit schädigen, das zahlen lassen, was sie anrichten.
Pechsträhne nennt man sowas wohl: Erst über Wochen Störungen mit Internet und Telefon, dann der Kabelanschluss tot, jetzt der Drucker. Kann passieren, klar. Horror wird’s erst durch das, was man mit dem Support erleben muss.
Zuerst 1&1. Ja, ich nenne sie namentlich (wie die nächsten auch). Es reicht. Ich weiß nicht, ob andere besser sind. Aber damit durchkommen? No way!
Internet (inklusive Telefonie, weil’s im Paket ja so schön günstig ist) weg. Für Stunden, Tage. Anruf aus dem 1&1-Netz kostenfrei. Nützt nur nicht viel, wenn gerade die Telefonie Teil des Problems ist. Also für teuer Geld mobil anrufen. Ewige Warteschleife, auch klar. Dann hilflose Supporter. Einstellungen prüfen. Stimmen. Dann ist es die Firmware. Die muss immer neu sein. Ich frage, ob denn eine ältere (nicht alte) Firmware dazu führen kann, dass nichts mehr geht. “Die muss immer neu sein. Laden sie die neueste Version runter, dann geht alles wieder.” Runterladen - schön, ohne Internet. Also irgendwo jemand mit funktionierendem Web anfragen, brennen lassen, CD holen, einspielen. Nichts. “Natürlich,” denke ich, “wie auch?” Nächster Anruf. Ich checke auf Anweisung die gesamte Verkabelung, krieche unter Tische und hinter Kisten. Alles bestens. “Wir checken die Leitung durch und Sie bekommen dann eine SMS.” Später geht’s. SMS? Fehlanzeige. Wenig später eine E-Mail, dass die Störung behoben sei. Das war’s.
Wochen später: Kein Internet, keine Telefonie. Anruf beim Support. Einstellungen checken. “Habe ich gerade alles hinter mir”, sage ich. Egal, da muss ich jetzt durch. Ich: “War doch neulich schon alles.” Nein, das war eine Großraumstörung, das müsste ich doch wissen. Woher? Keine Ahnung. Alle Kabel checken. “Nein, mache ich nicht. Nicht schon wieder.” Na also dann, ich bekomme eine SMS, wenn’s wieder geht. “Ich habe die andere noch nicht”, sage ich. Naja, das sei ja klar - war ja eine Großraumstörung. Aaaaaha!
Ich werde subversiv und mache genau das, was ich nicht sollte: Den Stecker nochmal ziehen und resetten lassen - funktioniert. Eine Weile jedenfalls, dann wieder nicht mehr. Um’s nicht zu lang zu machen: Das ging immer wieder so. Inklusive zweier Techniker-Besuche. Eigentlich kann’s nur noch der Router sein. Testen ist nicht. Denn die Techniker dürfen nicht. Und ich Loser hab nicht bedacht, das man immer ein Zweitgerät haben sollte - eben zum Testen. Man ist also auf Vermutungen angewiesen. Bloß blöd: Ich hatte mir vor Vertragsabschluss eine neue gekauft und darauf verzichtet, mir die Gratisbox zuschicken lassen. Blöder Fehler! Denn wäre die Box von ihnen, könnten sie mir sie austauschen. Aber so … “Ich bekomme also keine neue Box, weil ich Ihnen schon einmal eine geschenkt habe?” Ja, schon irgendwie …
Aber da gibt’s doch jetzt was: Marcel Dings … Davis! Meine Frau mailt - ich kann ja nicht. Ich spare mir die Antworten und fasse zusammen: Nichts. Zwischenzeitlich ist raus, dass mein Anschluss immer wieder ein paar Stunden da und dann wieder weg ist. Meine Frau setzt spaßeshalber einen Vorstand mit auf die Adressliste. Jetzt geht alles schnell. Rückruf von einer Dame in Vorstandsmission. Klar bekomme ich die Box. Zwischenzeitlich scheinen wir sowas wie VIP-Status zu haben. Parallel dazu hat sich allerdings noch ein paar Mal der Support zum Ei gemacht. Wie z.B. als ich eine Mail bekam, die Störung sei behoben. Ich rief an und fragte, was genau sie denn behoben hätten. “Naja, es geht ja seit gestern, also wurde wohl irgendwas gemacht, oder?”
Übrigens war’s wirklich die Box. Aber mit 1&1 war’s das auch bald. Vertragsende November 2010. Und: Internet-Telefonie erst wieder, wenn’s wirklich ausgereift ist.
Nicht, dass 1&1 damit alleine steht. Als nächstes kam Kabel BW: Kabelstörung. Schon seit einem Tag, also rufe ich mal an. Keine sonstige Meldung aus der Gegend, wahrscheinlich was im Haus. Alles ausprobiert, Nachbarn rausgeklingelt - auch Störung. Zum Glück wohnen wir in Miete - ich konnte es auf den Vermieter abdrücken. Es geht wieder - warum auch immer. Aber lieber Support: Auch wenn ihr für sowas vielleicht eine Extra-Provision bekommt - es kommt nicht gut, wenn ihr einen Störungsanruf dazu verwendet (”Wenn ich Sie doch schon mal am Telefon habe …”), zu akquirieren. Und dann auch noch schlecht und penetrant.
So - und heute: Drucker/ Scanner macht nicht mehr so richtig, was er soll. Irgendein Software-Problem. Deinstallieren - installieren, immer wieder. Geht nicht. Scannt, aber schafft die Übertragung zum Rechner nicht. Unterschiedliche Fehlermeldungen. Online-Hilfe perfekt - also Mittel zur perfekten Verwirrung. Wieder deinstallieren - installieren. Bei der Gelegenheit die Registrierung nachholen. Benötigt: Die Seriennummer. “Steht auf dem Gerät”, heißt es. Also suche ich das Gerät ab. Nichts. Vielleicht unten? Anheben, drunterschauen - nichts. Ah, in irgendeiner Klappe. Aber es geht immer noch nicht. Im Gegenteil. Jetzt druckt er nicht mal mehr und sagt dauernd, ich müsse Papier einlegen. Also doch: Anruf beim Support. Problem schildern. Dann der Schock. Das müsse ich zur Reparatur einschicken. Woran das eigentliche Problem lag - keine Ahnung. Aber wahrscheinlich sei das Gerät jetzt kaputt - die können es nämlich übel nehmen, wenn man sie anhebt. Da reicht schon ein kippen von 10 Grad und die Steuerelektronik kann kaputt sein. Ich sage, dann könne ich ja meinen urspünglichen Plan verfolgen, das Ding aus dem Fester werfen und irgendwas kaufen, nur keinen Canon mehr.
Es kam kein echter Widerspruch.
Um auf den Punkt zu kommen: Wann werden Anbieter merken, dass schlechte Leistungen und erst recht schlechter Support eine miese Idee sind? Wirken wir Kunden so doof, dass sie glauben, wir akzeptieren das? Anscheinend. Aber liebe Leute von 1&1, Kabel BW und Canon: Ich kann ja nur für mich schreiben, aber: Für mich war’s das mit euch. Ich hoffe, andere machen’s genauso.
Ein Kommentar wie jener in der heutigen Ausgabe, der sich über „vulgär-volkswirtschaftliche Binsenweisheiten“ mokiert, täte gut daran, wenigstens selbst mehr Tiefgang und Kenntnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen zu beinhalten. Herrn Uzulis‘ Herleitungen sind hiervon weit entfernt.
Sicher ist eine pauschale Kritik am Sparwillen selbst, wie sie vornehmlich aus den USA kommt, unangebracht. Immerhin ist die Wirtschaftskrise die unmittelbare Folge exzessiver Verschuldung. Aber nicht nur bei den öffentlichen Haushalten, sondern bei fast allen Wirtschaftsteilnehmern. Während die Ansprüche an Unternehmensrenditen in den letzten Jahren immer höher wurden, wurden die Endnachfrager zur Erreichung dieser Renditen bereits komplett überfordert, indem ihre Einkommen „zum Wohle der Wettbewerbsfähigkeit“ gedrückt und sie gleichzeitig zu immer höherer Verschuldung animiert wurden. Es wird Zeit einzusehen, dass Marktwirtschaft auf Gleichgewicht angewiesen ist. Eine dauerhafte Verschiebung in Richtung Renditen kann schlicht nicht funktionieren. Das Ergebnis erleben wir gerade.
Es ist also nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftspolitisch notwendig, einerseits untere bis mittlere Einkommen (die den höchsten Konsumanteil aufweisen) zu stärken und zu entlasten und andererseits sehr hohe Einkommensschichten (die in erster Linie nach rentablen Geldanlagen suchen) stärker zu belasten. Das von Ihnen so hoch gelobte Sparpaket tut exakt das Gegenteil. Damit verstärkt es das Hauptproblem der Wirtschaftskrise - den Nachfragemangel - und verstärkt somit massiv gesellschaftliche, aber auch gesamtwirtschaftliche Probleme.
Gute Wirtschaftspolitik besteht nicht darin, kurzfristigen Unternehmensinteressen zu folgen und dadurch immer stärker zur Bildung kurzfristiger und spekulativer Blasen beizutragen, bei denen einige Wenige auf Kosten vieler anderer sehr gut verdienen. Sie besteht darin, dauerhaft ein tragfähiges Wirtschaftssystem zu gewährleisten. Das hilft auch der Wirtschaft. Denn zumindest keinem realwirtschaftlichen Unternehmen kann damit gedient sein, wenn Konsumnachfrage-wirksames Einkommen immer weiter zurück geht. Das hilft lediglich den Zockerabteilungen der Finanzwirtschaft, die das zunehmende Kapital, das seine Renditeforderungen in einer instabilen Realwirtschaft nicht mehr erfüllt sieht, gerne aufnimmt.